Tabletten Diabetes Typ 2: Wie die oralen Antidiabetika funktionieren

Bei den Nicht-Insulin-Antidiabetika gibt nur zwei Arten: Diabetes-Tabletten, die die Betazellen zu einer vermehrten Insulinabsonderung anregen (insulinotrope Antidiabetika) – und alle anderen (nicht-insulinotrope Antidiabetika).

Jede Art hat vier Vertreter. Bei den insulinotropen Antidiabetika sind das…

  • Sulfonylharnstoffe
  • Glinide
  • DPP-4-Inhibitoren
  • (GLP-1-Analoga)

GLP-1-Anlaoga sind in Klammern, weil sie eigentlich gar keine Tabletten sind – sie werden ähnlich wie Insulin ins Unterhautfettgewebe gespritzt.

Und bei den nicht-insulinotropen Diabetes-Tabletten heißen sie….

  • Biguanide
  • Glitazone
  • SGLT-2-Inhibitoren
  • α-Glucosidase-Hemmer

Im Grunde machen sie alle dasselbe: Sie senken den Blutzucker – manche mehr, manche weniger.

Wenn man den Wirkmechanismus der einzelnen Pharmaka verstanden hat, dann kann man sich einige Nebenwirkungen selbständig herleiten. Deshalb werfen wir jetzt einen Blick darauf:

Insulinotrope Antidiabetika

Sie stimulieren auf direkte oder indirekte Weise die insulinproduzierenden Betazellen und fördern auf diese Weise die Insulin-Freisetzung aus der Bauchspeicheldrüse.

Sulfonylharnstoffe

Sulfnoylharnstoffe (SH) senken den Blutzucker, indem sie an einen Rezeptor der Betazelle binden und in der Zelle eine Kaskade auslösen, die dem Ausschleusen von Insulin und C-Peptid dient. Dieser Vorgang verläuft glukoseunabhängig. Das heißt, dass der Blutzucker gesenkt wird, egal ob wir etwas gegessen haben oder nicht. Deshalb können bei der Therapie mit SH auch Unterzuckerungen auftreten, wenn wir das Arzneimittel zu hoch dosiert oder zum falschen Zeitpunkt einnehmen. Ein höherer Insulinspiegel geht oft auch mit einer Gewichtszunahme einher (etwa 2-3 Kg).

Glinide

Glinide kamen erst ein halbes Jahrhundert später auf den Markt. Im Grunde funktionieren sie aber fast identisch zu den SH. Sie haben nur den Vorteil, dass sie glukoseabhängig wirken, wodurch die Unterzuckerungsgefahr nicht ganz so hoch ist. Allerdings werden die Kosten für eine Therapie mit Gliniden nur noch in begründeten Ausnahmefällen von den Krankenkassen erstattet.

GLP-1-Analoga

GLP 1 ist ein Darmhormon, dass unser Körper freisetzt, sobald wir Nahrung aufnehmen. Der Name verrät es bereits: GLP-1-Analoga sind diesem körpereigenen Darmhormon sehr ähnlich. Kleine strukturelle Abweichungen sorgen dafür, dass die GLP-1-Analoga nicht so schnell abgebaut werden können.

GLP-1-Analoga haben mehrere Wirkungen:

  • Unterdrückung der Glukagon-Freisetzung
  • Förderung der Insulinproduktion
  • Verlangsamung der Magenentleerung
  • Abbau von Körpergewicht (2-5 Kg)

 

 

DPP-4-Inhibitoren:

Das Darmhormon GLP 1 wird innerhalb kurzer Zeit von dem Enzym DPP 4 (Dipeptidylpeptidase-4) abgebaut. DPP-4-Inhibitoren hemmen dieses Enzym und erhöhen somit die Verweildauer des körpereigenen Darmhormons.

Nicht-insulinotrope Antidiabetika

Sie senken den Blutzucker, ohne die Betazellen zu einer vermehrten Insulinabsonderung anzuregen. Alle nicht-insulinotropen Diabetes-Tabletten verbessern die Insulinresistenz.

Biguanide

Metformin (Wirkort: Leber), der einzige zugelassene antidiabetische Arzneistoff der Biguanide, greift gleich in mehreren Stoffwechselprozessen ein. Der Wirkmechanismus ist ziemlich kompliziert und es ist auch noch nicht alles bekannt. Es gibt aber einzelne Puzzleteile, die wir jetzt zusammensetzen.

Metformin Wirkungen

  • Hemmung NADH-Ubichinon-Oxidoreduktase -> Anstieg von AMP
  • Hemmung Gluconeogenese durch AMP-Anstieg -> weniger körpereigene Zuckerherstellung
  • Förderung der Glykolyse -> vermehrte Verstoffwechselung von Zuckern, da Glykolyse und Gluconeogenese reziprok reguliert sind
  • Hemmung der Lactatdehydrogenase -> Bremse für Laktatazidose (gefährlichste Nebenwirkung der Biguanide, Mortalität 30-50 Prozent)

Metformin besitzt mehrere positive Eigenschaften, weshalb es auch das am häufigsten verschriebene Antidiabetikum ist.

 

α-Glucosidase-Hemmer

α-Glucosidase-Hemmer (Wirkort: Dünndarm) hemmen das körpereigene Enzym α-Glucosidase, dass für die Spaltung von bestimmten Kohlenhydraten im Dünndarm verantwortlich ist. Die unverdauten Kohlenhydrate (Zuckerketten) wandern zum Dickdarm, wo sie mikrobiell verstoffwechselt werden (Gärung). Die lästigen Nebenwirkungen (Flatulenzen, Diarrhö, Darmgeräusche) entstehen durch die Vergärung der Kohlenhydrate im Dickdarm.

Glitazone

Glitazone (Insulin-Sensitizer) stimulieren die Reifung und Vermehrung von Fettzellen (Adipozyten). Neue Adipozyten unterstützen die Aufnahme von Glukose aus dem Blut, da sie vermehrt das Peptidhormon Adiponectin freisetzen, welches die Insulinwirkung verstärkt. Glitazone führen zu einer Gewebezunahme, sodass die Gefahr einer Herzinsuffizienz besteht. Deshalb spielen sie im Feld der oralen Antidiabetika nur noch eine untergeordnete Rolle.

SGLT-2-Hemmer

Die SGLT-2-Hemmer repräsentieren eine der jüngeren Entdeckungen im Bereich der Antidiabetika. Die erste Zulassung erfolgte im Jahr 2012 für den Wirkstoff Dapagliflozin.

Sie hemmen das Nieren-Enzym SGLT 2 (sodium-glucose linked transporter 2). Dieses sorgt dafür, dass 90% des Traubenzuckers, der über die Niere aus dem Blut genommen wurde, wieder ins Blut zurückgeführt wird (Reabsorption von Glukose). Durch Hemmung des Enzyms wird dieser Vorgang unterbunden, sodass die überschüssigen Zucker-Moleküle über den Urin ausgeschieden werden (Diurese). Da vermehrt Glukose ausgeschieden wird, bauen die SGLT-2-Hemmer auch Körpergewicht ab.

Durch die Einnahme von SGLT-2-Hemmer kann es zu Harnwegsinfekten kommen. Die Nebenwirkung hängt mit der erhöhten Glukosekonzentration in Harnleiter und Blase zusammen, da der Traubenzucker auch von pathogenen Mikroorganismen als Kohlenstoff- und Energiequelle genutzt werden kann.

Ausblick

In den Kindesbeinen befinden sich aktuell die LMPTP-Hemmer. Dieser Wirkstoff könnte die oralen Antidiabetika in den kommenden Jahren bereichern, da er der gezielten Behandlung der Insulinresistenz dient.

Fazit

Eine gute medikamentöse Therapie passt sich den individuellen Bedürfnissen des Patienten an. Dabei müssen unterschiedliche Faktoren (z. B.: Kontraindikationen, Alter, Körpergewicht, Vorerkrankungen, Diabetes-Stadium, Zielsetzung) berücksichtigt werden. Alle Antidiabetika sind verschreibungspflichtig: Nehme sie nur nach ärztlicher Anordnung ein und setze die Medikamente niemals eigenmächtig ab.