Diabetes: Kulturelle Unterschiede im Fallbeispiel des Pima-Stammes unter der Lupe

Viele asiatische und afrikanische Staaten kommen mit dem westlichen Lebensstil überhaupt nicht zurecht. In Südafrika hat sich die Diabetes-Prävalenz innerhalb von neun Jahren nahezu verdoppelt. China hat mittlerweile eine höhere Diabetes-Prävalenz als Deutschland, obwohl sie vor 40 Jahren noch ein Vorbild für eine niedrige Diabetesrate (etwa 1%) waren. Selbst in Deutschland ist es so, dass Migranten bevorzugt vom Typ-2-Diabetes betroffen sind.

Woran liegt das? Und wie wichtig sind in diesem Zusammenhang regionale, kulturelle und saisonale Ernährungs- und Lebensweisen?




Während sich die Forschung überwiegend auf die genetischen Komponenten beschränkt, bleiben die Erkenntnisse ernüchternd. Wie bei der Entschlüsselung des menschlichen Genoms bleibt zwischen Erwartungshaltung und tatsächlichem Nutzen noch viel Spielraum. Immerhin weiß man bereits, dass Erbanlagen die Verarbeitung von Nahrungsmitteln steuern und zu einem gestörten Insulinsekretionsmusters oder einer Insulinresistenz beitragen können.

Viel wichtiger ist die Klärung der Fragestellung, wie man die Umwelt auf die genetische Prädisposition des Individuums ausrichtet.

Im Gepäck mit all diesen Fragen, habe ich mich auf die Suche gemacht. Und tatsächlich gibt es einen schockierenden Härtefall, der die kulturelle Diversität bestätigt. Bereits 2009 hat das ZDF vom Pima-Phänomen berichtet, dass das Wechselspiel zwischen Erbgut und Umwelt widerspiegelt.

Der Stamm der Pima-Indianer war einst über die Behringstraße aus Asien eingewandert. Ein Teil lebt in Arizona, ein anderer im Hochland von Mexiko. Die einen leiden auffallend häufig an Fettleibigkeit (Adipositas) und Typ-2-Diabetes, die anderen nicht. In Arizona haben etwa die Hälfte der Mitglieder des Pima-Stammes einen Diabetes. Seit Jahrzehnten pflegen sie denselben Lebensstil wie ihre amerikanischen Zeitgenossen.

Während die Pima-Indianer im Hochland von Mexiko ihre Lebens- und Essgewohnheiten größtenteils beibehalten haben: Das Leben im Gebirge ist von körperlicher Belastung und Entbehrungen geprägt. Übergewichtige sind hier Mangelware und die Diabetes-Prävalenz beträgt nur ein Prozent.

Dieses Fallbeispiel verdeutlicht, dass der Lebensstil einen maßgeblichen Einfluss auf die Typ-2-Diabetes-Pathogenese nimmt – und dass kulturelle bzw. genetische Komponenten, die über Jahrhunderte geprägt wurden, und nun in eine neue und moderne Umgebung ausgesetzt werden, eine Anfälligkeit für Übergewicht und Diabetes bedeuten können.

Referenz

Pima-Indianer – Was haben sie uns bezüglich Typ-2-Diabetes zu sagen? Veröffentlicht im D-Journal von Dr. med. K. Scheidegger. Link zur Quelle.