LMPTP-Hemmer: Neuer Typ-2-Diabetes-Wirkstoff?

Forscher der University of California in San Diego konnten durch einen oralen Wirkstoff das breiteste Wurzelfragment des Typ-2-Diabetes, die Insulinresistenz, bei diabetischen Mäusen aufhebeln.

Bei dem vielversprechenden Wirkstoffkandidaten handelt es sich um einen sogenannten „LMPTP-Hemmer“. Insgesamt wurden bei der Untersuchung 364,168 Moleküle gescreent, nur 3 Kandidaten schafften es in die engere Auswahl.

Durch die orale Gabe des Hemmstoffs über 4 Wochen konnte die erworbene Insulinresistenz und die diabetischen Symptome (wenn vorhanden) der kleinen Nager wieder rückgängig gemacht werden.

Die Mäuse wurden im Vorfeld der Studie mit einer kalorienreichen Kost gemästet – sie wurden fettleibig, bildeten eine Insulinresistenz und schließlich einen Typ-2-Diabetes aus.

Was ist LMPTP?

LMPTP (low-molecular-weight protein tyrosine phosphatase) ist ein Enzym, das an der Inaktivierung des Insulin-Rezeptors beteiligt ist, indem es den Insulin-Rezeptor dephosphoryliert.

Die US-amerikanischen Wissenschaftler vermuten, dass die LMPTP-Aktivität eine Schlüsselrolle bei der Entstehung einer Insulinresistenz einnimmt.

Besonders hervorzuheben ist die hohe Selektivität des Hemmstoffs, denn LMPTP-Inhibitoren sind bei der Suche nach einem antidiabetischen Target kein unbeschriebenes Blatt, konnten sich aber aufgrund von unerwünschten Nebenwirkung noch nicht etablieren.

Das Medikament könnte (bei rechtzeitiger Anwendung) die Erschöpfung der Betazellen verhindern, sodass eine Insulin-Substitution bei den meisten Typ-2-Diabetes-Patienten entfallen würde.

Der neue Wirkstoff müsste nicht mehr wie Insulin ins Unterhautfettgewebe gespritzt werden, sondern könnte einfach oral per Tablette eingenommen werden.

Was ist eine Insulinresistenz?

Die angeborene oder erworbene Insulinresistenz ist eine der Hauptursachen für die Pathogenese eines Typ-2-Diabetes und sie ist zu 40-80% vererbbar. Der Begriff „Insulinresistenz“ steht für die abnehmende Empfindlichkeit der Insulin-Rezeptoren auf Insulin.

Kann man Typ-2-Diabetes-Patienten in Zukunft mit LMPTP-Inhibitoren heilen?

Solange man Medikamente einnehmen muss, kann man kaum von einer Heilung sprechen. Dennoch haben die LMPTP-Hemmer vielversprechendes Potential, Symptome und Spätfolgen des Diabetes zu unterdrücken. Jegliche Verbesserungen der Insulinresistenz stellen einen Segen für die Patienten dar.

Fazit

LMPTP-Hemmer könnten durch ihren einzigartigen Wirkmechanismus im Bereich der Antidiabetika eine wichtige Stellung einnehmen und die medikamentöse Therapie von Typ-2-Diabetes-Patienten dramatisch verbessern.

Dennoch gibt es keinen Grund zur Euphorie. Bis zum Start von klinischen Studien dürften nach Angaben des Wissenschaftlers Nunzio Bottini, der an der Studie beteiligt war, zwei weitere Jahre vergehen.

Wenn die Genehmigung zur Durchführung der klinischen Studien erfolgen sollte, muss der Wirkstoff sich im Zeitraum von 2 bis 5 Jahren in drei klinischen Phasen beweisen, um den Grundstein für eine behördliche Zulassung zu setzen.

Die Therapie der Wahl für eine Abmilderung der Insulinresistenz dürfte weiterhin die Basistherapie (Lebensstiländerung) bleiben, da die LMPTP-Inhibitoren nach den bisherigen Erkenntnissen keinen Einfluss auf das Gewicht nehmen. Übergewicht, ungesunde Ernährung, Stress und körperliche Trägheit gehören zu den größten vermeidbaren Risikofaktoren für die modernen Zivilisationskrankheiten (Diabetes Typ 2, Hypertonie, Adipositas).

Referenz

Stanford et al. (2017). Diabetes reversal by inhibition of the low-molecular-weight tyrosine phosphatase. Nature America. DOI: 101039. Link zur Quelle.

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